175 Jahre Eisenbahn Ravensburg - Friedrichshafen

Schon gewusst? 175 Jahre ist es her, dass zwischen Ravensburg und Friedrichshafen die ersten Züge fuhren. Am 8. November 1847 feierte man das große Ereignis mit einem ebenso großen Fest. Heute denken die Wenigsten daran zurück. Vielleicht weil die Eisenbahn heute etwas ganz Alltägliches ist. Damals aber, vor 175 Jahren, war sie ein völlig neuartiges Verkehrsmittel. Für viele unglaublich - oder gar unheimlich - war, dass sie ohne die Muskelkraft von Zugtieren auskam und dampfend, zischend, pfeifend über eiserne Schienen statt holperige Kleinstraßen durch das Bodensee-Hinterland zuckelte. In der feuerspeienden Dampflok sahen manche ein Werk des Teufels. Ärzte rieten sogar vom Mitfahren ab, weil sie die Geschwindigkeiten von etwa 25 Kilometern pro Stunde für gesundheitsschädlich hielten.

Etwa eine Stunde dauerte die Fahrt zwischen Ravensburg und Friedrichshafen damals. Heute ist man mit den schnellsten Zügen mit bis zu 160 Stundenkilometern und innerhalb von elf Minuten zwischen beiden Städten unterwegs, zwischenzeitlich angetrieben von elektrischem Strom anstatt von Kohle, Wasser und Dampf. Die Züge fahren viel, viel häufiger und auch die einstigen Gesundheitsbedenken sind kaum mehr vorstellbar. Im Gegenteil: Wer heute aus dem Fenster auf Schussen, Obstbäume und die Berge schaut, genießt eine kurze Auszeit, entspannt sich und fährt nachhaltig.

Nochmals 175 Jahre zurück: Deutschland gab es damals als solches noch nicht. Die damaligen Staaten, Vorläufer der heutigen Bundesländer, lieferten sich beim Bahnbau einen harten Konkurrenzkampf: Jeder wollte zuerst am Bodensee sein, um sich den lohnenswerten Güterhandel über den See hinweg, vor allem mit der Schweiz, zu sichern. Und gewonnen hat? - Das Königreich Württemberg! Allerdings mit einem Trick, den man durchaus als faul bezeichnen kann: Während Baden und Bayern nur wenige Jahre später aus ihren weit entfernten Hauptstädten kommend den Bodensee erreichten, baute Württemberg nur den gut 20 Kilometer langen Abschnitt von Ravensburg nach Friedrichshafen - und rühmte sich stolz, das Rennen gemacht zu haben. Der Preis für den fragwürdigen Ruhm: Alle Baumaterialien mussten mühsam über schlechte Straßen herbeigeschafft werden. Und was lehrt uns das? Schon damals war auf der Schiene nicht alles von Anfang an perfekt.

Dennoch brachte die Bahn ein neues Zeitalter in die Region: Neue Mobilität für Menschen, neue Transportmöglichkeiten für Waren - entlang der Bahn entwickelten sich Industrie und Wohlstand. Bis heute ist sie unverzichtbar im Mobilitätsalltag.

Es gäbe noch viel mehr zu erzählen über die Geschichte der Südbahn, die auch heute noch immer auf demselben Weg und nach demselben Grundprinzip wie vor 175 Jahren fährt. Vielleicht träumen Sie ja bei Ihrer nächsten Zugfahrt zurück in die alte Zeit - als so vieles anders war, und doch manches gleich.

 

Text: Felix Löffelholz